Archiv der Kategorie: vor der Jahrtausendwende

Drei-Mäderl-Haus

Angeregt durch ein Photo von den den Mädchen auf dem  Kreativberg erinnerte ich mich an meine eigene Kindheit. Wir sind drei Schwestern, immer 15 Monate auseinander. Meine Mutter war eine sehr geschickte Näherin und nähte aus Vereinfachungsgründen für mich und meine ältere Schwester sehr oft die gleichen Kleidungsstücke, unsere jüngere Schwester und eine unserer Cousinen trugen später die Sachen auf. Als Kind fand ich die gleiche Kleidung  blöd, denn dadurch wurden meine ältere Schwester und ich für Zwillinge gehalten, schon alleine deshalb weil meine  ältere Schwester und ich gleich groß bzw. ich größer wie sie war und heute auch noch bin.

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Meine Eltern hatten sehr lange keinen Photoapparat, daher gibt es nur wenige Kinderphotos von mir. In meinem alten braunen Album fand ich dennoch eines auf dem sowohl meine Mutter als auch wir drei Mädchen selbstgenähte Kleider tragen, meine ältere Schwester und ich wie gewohnt im Zwillingslook. Die Aufnahme entstand in den Pfingstferien 1974 bei unserem einzigen Familienurlaub, 10 Tage in den Allgäuer Alpen. Welchen Wasserfall wir uns damals anschauten weiß ich heute nicht mehr. Ich kann mich aber noch sehr genau daran erinnern, dass wir kleinere Bergwanderungen machten und auf einer Alm Käse kosteten, ab diesem Urlaub mochte ich Bergkäse und das ist bis heute so geblieben, ebenso meine Liebe zu den Bergen.

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Eine Frau, eine Hose und der Landrat

In der Lokalpresse fand ich dieser Tage einen Artikel, der innerhalb unserer Familie für große Erheiterung sorgte. Was war passiert? 1954 hatte ein “junges Fräulein” etwas im Landratsamt einer osthessischen Kleinstadt zu erledigen. Kurz nach Betreten der Behörde wurde die junge Frau von einem Herrn, der sich später als Landrat entpuppte in beleidigender Weise angebrüllt. Warum? Ganz einfach: Die junge Frau trug eine Caprihose und das fand der Herr Landrat anstößig. Vermutlich  diente Audrey Hepburn als eine der bekanntesten Caprihosenträgerin der 50iger Jahre  dem “Fräulein”   als modisches Vorbild
Ich bin  froh, dass ich (fast) immer die Wahlfreiheit hatte  mich so zu kleiden wie es mir gefällt. Im Sommer trage ich sehr gerne Kleider und Röcke im Winter bevorzuge ich Hosen, da ich ungern Strumpfhosen anziehe.

Bei unserer heutigen Familienfeier befragte ich meine  Schwägerinnen, wann meine Schwiegermutter, Geburtsjahr 1932, angefangen hat Hosen zu tragen. Genau konnte es keiner sagen, es muß wohl  Ende der 70iger,  Anfang der 80iger Jahre gewesen sein, da war meine Schwiegermutter Ende 40. Selbstverständlich trug sie an Sonn- und Feiertagen immer Röcke bzw. Kleider. Meine Schwiegermutter wuchs in ländlicher Umgebung auf, war aber Mitte der 50iger Jahre bis zu ihrer Eheschließung in Köln “in Stellung”, also als “Hausmädchen” tätig.

Für meine Mutter,  Geburtsjahr 1939,  war es  hingegen schon als junges Mädchen selbstverständlich Hosen zu tragen, insbesondere bei der Feldarbeit und zum Traktor fahren bevorzugte sie “Nietenhosen”, kurze Hosen waren jedoch  auch in ihrem Dorf für Frauen verpönt. Zum Ausgehen bevorzugte meine Mutter bis Anfang der 80iger Jahre Röcke und Kleider.

Judika

P.S. Heute trug ich als einzige von 6 anwesenden Frauen einen Rock.

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Hommage an meine Oma

 Vor ein paar Tagen fiel mir mein altes braunes Photo-Album in die Hände.
Auf der ersten Seite habe ich vor vielen, vielen Jahren dieses Photo eingeklebt:regina

 

Das Photo dürfte entweder in den letzten Tagen bzw. kurz nach Beendigung des zweiten Weltkrieges aufgenommen worden sein. Zu sehen sind meine Oma zusammen mit meiner Mutter. Wer photografiert hat und wo das Bild entstanden ist ist mir unbekannt. Beeindruckend finde die Kleidung (Schuhe) meiner Oma und die Körperhaltung. Auf dem Photo wirkt sie so groß, in Wirklichkeit überragte ich sie mit meinen 170 cm bei weitem. Oma hat ein Fuchsfell um den Hals geschlungen, sie hat ihn ihr ganzes Leben lang in ihrem Kleiderschrank aufbewahrt, wenn ich die Augen schließe kann ich noch den Geruch der Mottenkugeln riechen.
 
Oma reiste gerne,  als junge Frau ist sie nach England gefahren um bei der Krönung von Königin Elisabeth dabei zu sein.  Gerne buchte sie Kaffeefahrten oder war mit der Pfarrgemeinde unterwegs,  Ziele waren dann selbstverständlich heilige Orte. Ich erinnere mich daran, dass sie einmal von Lourdes eine Plastikflasche in Madonnenform mitgebracht hat, gefüllt mit heiligem Wasser. Just dieses Mitbringsel sollten eine meine Schwestern und ich zu unser anderen Oma bringen. Wie ein weibliches Pendant zu Max und Moritz  fragten wir uns: “Schmeckt heiliges Wasser anders?” Nach einigem hin und her öffneten wir die Flasche und rochen an dem Wasser, probierten ein bißchen davon, im Gerangel fiel die Flasche herunter und das heilige Wasser war vergeudet, also wurde die Flasche mit schnödem Leitungswasser neu befüllt und dann weggebracht.
 
Meine Oma liebte Blumen, die in allen Farben in ihrem Gemüsegarten außerhalb des Dorfes wuchsen. Auf dem Weg zum Garten mußte man an einem kleinen Teich vorbei, wir Kinder fürchteten uns alleine diesen Weg zu laufen, denn Oma war eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin, Gruselgeschichten, die meisten spielten sich am Elfensee – ja er heißt wirklich so – ab. Es gab Geschichten von Frauen in weißen Gewändern die nachts am Wasser säßen und Geschichten von Männern die im See ertrunken sein sollen.
 
Große Angst  hatte Oma vor Schlangen, stets fürchtete sie eine Schlange könne sich im hohen Gras versteckt haben. Bei Auslandsreisen war es ihre größte Sorge, dass ein findiger Gastwirt ihr unbemerkt ein Reptil zubereiten und ihr servieren würde.
 
Inzwischen sind schon über 20 Jahre vergangen, dass Oma verstorben ist, die Geburt meines ersten Sohnes hat sie noch miterlebt, er wurde genau an dem Wochenende geboren wie Oma und Opa ihre goldene Hochzeit feierten. Heute, am 12. 12. hätte meine Oma Geburtstag.
 
 

 

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