Meine Frühlingspost

Am Dienstag habe ich meine Frühlingspost verschickt und hoffe, dass alles vollständig bei den anderen Teilnehmerinnen der Gruppe 13 angekommen ist. Worum es bei der Frühlingspost geht, habe ich bereits hier erklärt.

Ich habe vorher noch niemals Kleisterpapier hergestellt und mußte erstmal Recherchen betreiben, wie das geht. Alle verschickten Papiere habe ich mit selbst gekochtem Kleister aus Maisstärke gemacht, die Papiere haben einen schönen Glanz und sind ganz glatt beim Anfassen. Eingefärbt habe ich den Kleister zum Teil mit Stoffmalfarben (da kleben noch DM-Preise an den Gläschen) und später mit Zeichentusche, falls ich zu viel Farbe in den Kleister gekippt hatte, hellte ich ihn mit weißer Acrylfarbe auf. Das Mischen von Pastelltönen fiel mir leicht, Probleme hatte ich dagegen das richtige Papier zu finden.

Anfangs nahm ich dickes glattes DINA 4 Papier aus meinen Beständen, ich vermute es hatte 200 g, genau weiß ich das jedoch nicht. Ich bestrich zunächst alle Papiere mit Maisstärkekleister. Nach dem trocknen bepinselte ich Papierbögen mit türkis eingefärbten Kleister, legte jeweils 2 eingekleistete Papierbögen übereinander, rollte mit dem Nudelholz darüber und zog dann die Papierbögen wieder auseinander, das gleiche machte ich mit gelbem und rosa eingefärbten Kleister.

Für die Umschläge kleckste ich in unregelmäßigen Abständen türks, rosa und gelb gefärbten Kleister auf die Papierbögen und wiederholte das Aufeinanderlegen, festrollen und Auseinanderziehen mehrmals. Es ergab sich ein wunderbar geädertes Muster. Die Farben erinnerten mich an Eis, ich war total begeistert.

Nach dem Trocknen, waren alle Papierbögen stark gerollt, ich habe sie über eine Tischkante glatt gezogen und mehrere Tage unter Bücher- bzw. Bretterstapel gepresst. Beim Erstellen der Karten und Umschläge verflog meine Begeisterung vollends, beim Falten der Umschläge sind zum Teil die Kanten gebrochen. Für die Karten klebte ich das Kleisterpapier auf 160 g Papier, die fertigen Karten sind nun viel zu dick, für den Postversand sind sie nur bedingt geeignet. Lange habe ich mit mir gehadert, ob ich diese Sets überhaupt verschicken soll, jedoch gefällt mir das Muster so gut, dass ich es dennoch gemacht habe.

Die zweiten Sets sind aus dem gleichen dicken Papier und mit der gleichen Technik wie die ersten Sets gemacht, der Unterschied sind die Farben und dass ich beim “Klecksen” keine Zwischenräume gelassen habe und alle Papiere zigmal übereinander gelegt und wieder auseinandergezogen habe.

Durch das quadratische Mini-Format (ca. 9,5 x 9,5 cm) und die Dreiecksfaltung wirken die Karten filigraner als das erste Set. Verschlossen habe ich die Karten mit einer Schnur und einem ausgestanzten Kreis, wenn man die Karten nicht mit der Post versendet, könnte man mit der Schnur die Umschläge verschließen und die Karten einfach offen lassen oder man verschließt beides durch einen aufgeklebten ausgestanzten Kreis.

Es folgten nun eine Menge Fehlschläge, ich “versaute” Papier in rauen Mengen, nichts wollte mehr gelingen. Mal rollten sich die Papiere stark, beim Versuch, sie glatt zu Bügeln platzte die Farbe ab. Dann nahm ich Zeichenblockpapier, ein totaler Reinfall. Das Papier warf beim Kleistern Falten. Heute weiß ich, dass es mein Fehler war, denn ich hatte die Papiere von der Rückseite nass bestrichen und so das Papier vor dem Bekleistern aufgeweicht.

Nun bestellte ich bei Gerstäcker das Universalpapier Nr. 5 (unbezahlte WERBUNG) und startete neue Versuche mit denen ich zufrieden bin. Für die gelben Minis, bestrich ich die Papierbögen zunächst mit Kleister, nach dem Trocknen pinselte ich eine dünne Schicht gelb eingefärbten Kleister auf, nachdem dieser getrocknet war, pinselte ich eine zweite Schicht etwas dunkler gelb gefärbten Kleister darüber, dann drückte ich mit dem Daumenballen das Muster ein, es erinnert mich an Seerosen und ist mein persönliches Lieblingsmuster.

EPSON MFP image

Aus dem gelben Papier faltete ich Mini-Umschläge (ca. 7,5 x 7,5 cm) und klebte einen als Leporello gefalteten Papierstreifen ein, verschlossen werden die Minis durch einen aufgenähten Knopf und einen Faden. Ursprünglich wollte ich meinen Gruß ins Leporello schreiben, doch dann entschied ich mich ein separates Zettelchen zu nehmen, damit meine Gruppenmitglieder dieses Kärtchen ebenfalls verwenden können.

Bei Gerstaecker (schon wieder unbezahlte Werbung) hatte ich mir auch Stempelschnitzgummi und Linolschnittmesser bestellt und die ersten drei Stempel meines Lebens geschnitzt. Diese kamen bei den nächsten Papieren zum Einsatz.

Erst kleisterte ich das Papier ein, nach dem Trocknen ging ich nochmals mit farblosem Kleister drüber und in diesen feuchten Kleister pinselte ich heidelbeereisfarbene Zeichentusche (gemischt aus blau und magenta) wellenförmig darüber, auch disese Schicht lies ich Trocknen. Es folgte eine zweite wellenförmige Heidelbeereisfarbene-Kleister-Tusche-Schicht und dahinein stempelte ich mit meinem Blümchenstempel.

Ich faltete Umschläge und klebte Karten mit meinen Heidelbeereis-Blümchen. Es sah stinklangweilig aus, wie aufgeklebtes Geschenkpapier. Plötzlich kam mir der Geistesblitz, inspiriert durch die Adventspost von Blauvogelfeder erstellte ich Collagen aus ausgestanzten Kreisen, die Collagen klebte ich auf die zweite Seite der Klappkarten. Für das “Kreispapier” habe ich alte Buchseiten (Bücherflohmarkt) zu Kleisterpapier verarbeitet.

Bei diesen Karten war ursprünglich nur die bunte Seite geplant. Hierfür hatte ich das Papier mit rosanen, hellgrünen und hellblauen Kleister bestrichen, trocknen lassen, dann den Kleister mit weißer Acrylfarbe gefärbt und alles weiß überstrichen und dann mit Ast, Blümchen und Blatt das Motiv rausgestempelt. Man sah gar nichts. Nothing. Nach dem Trocknen überstrich ich alles mit blauer Kleisterfarbe und versuchte nochmals die Motive rauszustempeln, es ging wieder sehr schlecht und ich war enttäuscht. Allerdings wurde ich am nächsten Morgen überrascht: Nach dem vollständigen Trocknen waren die Motive plötzlich doch gut sichtbar.

Zwischenzeitlich hatte ich jedoch bereits weitere Stempelversuche mit zartblauer Farbe gemacht. Die grünen Kuverts habe ich vergessen deutlicher zu fotografieren, sie sind aus 80 g Skizzenpapier gemacht, das wäre für mich im Nachhinein das beste Papier für Umschläge gewesen. Das Muster auf den Umschlägen ist mit einer Rolle für Plätzchen / Fondant gemacht.

Vielen Dank an Tabea und Michaela vom Postkunstwerkblog für die Idee und das Organisieren der Frühlingspost 2019, ohne Euch hätte ich nie so viel Neues ausprobiert, meinem inneren Kritiker in die Schranken gewiesen und statt dessen die Kreativität in mir erweckt.

verlinkt zur
Frühlingspost 2019 auf dem Postkunstwerkblog

und zum Monatsmotto März: “Den Frühling begrüßen” bei der Zitronenfalterin
und zum Samstagsplausch bei Karminrot

15 Gedanken zu „Meine Frühlingspost

  1. jahreszeitenbriefe

    Oh, liebe Judika, was für ein Pensum du da hingelegt hast, alle Achtung… Was werden sich deine Gruppenmitglieder freuen können an so vielen schönen Papieren… Schön auch, dass du hier alles so genau beschrieben hast und deine Erfahrungen mit uns teilst, da kann man manchen Fehler schon mal vermeiden ;-). Ich genieße es gerade sehr, neben den Insta-Bildern mal so einen schönen Blogpost zum Thema zu lesen wie eben schon bei Astrid. Das ist doch was Anderes. Vielen Dank fürs Probieren, Fotografieren und Beschreiben. Toll deine Sets mit ihren feinen Details! Liebe Grüße Ghislana

  2. Andrea/ die Zitronenfalterin

    Da hast Du wirklich sehr viel Aufwand betrieben und einen großen Erfahrungsschatz geborgen. Wie herrlich sind die Karten geworden, wirklich zauberhaft! Ich bin ganz begeistert. Die Arbeit hat sich echt gelohnt.
    Liebe Grüße
    Andrea

  3. Andrea

    Ich kann mich nur anschließen: du hast wunderschöne Sachen erwerkelt!!! Wobei der Weg dorthin echt steinig war. Ich glaube, ich hätte die Nerven verloren, als alter Kontrollfreak. Find ich super, dass du weiter ausprobiert hast. Hat sich total gelohnt.
    Liebe Grüße Andrea

  4. Katrin Blauvogelfeder

    Liebe Judika,
    was für ein wunderbarer Blogartikel. Eigentlich bin ich schon fertig, aber deine Experimente inspirieren mich. Deine Kreiskarten sind superschön geworden und das kleine goldgelbe Set sieht zauberhaft aus.
    Die Schwierigkeiten mit dem Papier kann ich nachvollziehen, das schlußendlich von dir verwendete Universalpapier ist auch mein liebstes Standardpapier. Faszinierend finde ich auch die verschiedenen Umschlagsfalt- und Verschlusstechniken.
    Herzliche Grüße von Katrin

  5. Claudia

    Liebe Judika,
    da ist zauberhafte Frühlingspost entstanden, die zarten Pastellfarben passen wunderbar dazu! Diese Karten werden ganz viele fröhliche Gesichter zaubern!
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag und ein herrliches Frühlingswochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

  6. Eli

    Das sind sehr schöne Karten! Vielen Dank für Deinen ausführlichen Entstehungsbericht. Ganz herzlich, Eli

  7. mano

    toll, dass du deine arbeitsschritte so ausführlich beschrieben hast. ich kann mir gut vorstellen, dass es zwischendurch nicht leicht war dranzubleiben. aber deine geduld und ausdauer haben sich gelohnt: so viel wunderbare papier, karten und umschläge sind entstanden!
    liebe grüße
    mano

  8. Claudia - Frau Alltagsbunt

    Boah, liebe Margot, wann machst du das bloß alles?
    Wundervoll sind deine Karten und man kann nur erahnen, wie viel Arbeit in ihnen stecken mag.
    Die Empfängerinnen sind gewiss verzaubert.
    Claudiagruß

  9. Pia

    Fertig mit essen im Bett bei deinem Sohn, ich denke es hat wieder Platz in der Wohnung. Aber der ganze Aufwand hat sich gelohnt, ich bin sprachlos was du alles gezaubert hast und bin mir sicher, dass jede einzelne Karte mit Freude empfangen wird.
    L G Pia

  10. Adstridka

    Auch ich habe deinen ausführlichen Beitrag mit Neugierde & Begeisterung verschlungen. War selbst für mich alten Hasen noch sehr aufschlussreich!
    Du bist ja mit schönen Ergebnissen belohnt worden!
    Einen schönen Sonntag!

    Astrid

  11. KAZE

    Wow, ganz schöne Ergebnisse hast du erarbeitet und eine wunderbare Idee mit den gefalteteten kleinen Karten. Kompliment liebe Judika! Ich wußte nicht, dass man eine Schicht trocknen lassen kann und noch darüber arbeiten kann, das habe ich so noch nie probiert. Toll, das du alles so gut dokumentiert hast, so kann man beim Lesen immer dazu lernen. Ganz besonders gefällt mir die gelbe Serie.
    Viele begeisterte Grüße von Karen

  12. Regula

    Sehr schöne Papiere sind da entstanden. Die Couverts sind wunderhübsch, bestimmt werden sie weiterverwendet. LG von Regula

  13. niwibo

    Ich ziehe meinen Hut liebe Margot, das ist der Hammer.
    Alles wunderschön, die Farben, die Muster, die Ideen.
    Toll, was man alles hin bekommt, wenn man sich dransetzt und es versucht.
    Ich bin hin und weg. Aber die Arbeit war bestimmt heftig…
    Ganz liebe Grüße
    Nicole

  14. Ulrike

    Alle Achtung, du gibt nicht auf und versuchst, es besser hinzubekommen, bis du auch selbst damit zufrieden bist! Aber das Schöne am Experimentieren sind ja immer die gemachten Erfahrungen… schön, dass du sie hier weitergibst. Ja, zu dick sollte das Papier nicht sein, weil ja auch die Kleisterschicht noch ‘aufträgt’…
    Die gelbe Serie gefällt auch mir am allerbesten mit den wunderschön pastelligen Collagen!
    Herzliche Grüße Ulrike

  15. Christine

    Schön, dass du die Entstehung so ausführlich beschrieben hast. Deine Ergebnisse finde ich sehr schön, besonders die kleinen quadratischen Umschläge sind wunderschön!
    Liebe Grüße schickt
    Christine

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